Band: Nevermore

Wieder mal ist es soweit. NEVERMORE legen mit "Dead Heart In A Dead World" ihr mittlerweile 4. Langeisen vor. Da dieses sich hinter dem letztjährigen "Dreaming Neon Black" sicher nicht zu verstecken braucht, mußte ein Interview her. Blieb nur noch die Sorge, ob Jim Sheppard nach einem langen Tag am Telefon nicht schon gestreßt sein würde, weil die internationale Journalie ihn seit Stunden mit den gleichen Fragen zuscheißt.

Absolut nicht! Ich bin ein geselliger Typ und plaudere sowieso gerne.

Perfekt! Dann können wir ja mal loslegen. Mittlerweile steht "Dead Heart..." in den Läden und mich würde interessieren, wie Ihr denn auf so einen verspulten Titel gekommen seid und worum’s da eigentlich geht.

Zunächst mal gibt’s auf der neuen Platte kein Konzept. Jeder Song steht für sich selbst. Im Titelstück "Dead Heart In A Dead World" schildert Warrel seine Gefühle beim Schreiben von "Dreaming Neon Black", was ihn sehr belastet hat. Dennoch gibt es immer ein kleines Licht am Ende des Tunnels, egal wie verzweifelt die Situation erscheint.

Gutes Stichwort. Ich habe bei NEVERMORE – besonders bei "Dreaming..." und "Dead Heart..." – immer das Gefühl, daß es eben keine Hoffnung gibt. Mir scheint Eure Mucke wird immer düsterer und depressiver.

Um ganz ehrlich zu sein liegt das an Warrel, wenn der kreative Teil der Arbeit beginnt. Er neigt dazu viele Nächte durch zu saufen. Dann verfällt er immer in seine Depressionen, woraus er auch viele seiner Inspirationen bezieht. Ich schätze das ist einfach seine einzigartige Technik Texte zu schreiben. Ich weiß das er keine krankhaften Depressionen hat; ihm geht’s hinterher immer wieder gut. Er ist sogar ein ziemlich fröhlicher Typ.

Ich glaube auch das auf der neuen Scheibe ein bißchen von allem drauf ist. Es gibt einen Song mit politischem Hintergrund wie "Inside Four Walls", Stücke die mehr in die "Dreaming..." Richtung gehen und auch andere, bei denen wir unbeschwerter herangegangen sind und die nur ein wenig Fantansie beinhalten.

Ich wollte Dich ohnehin nach dem textlichen Inhalt einiger Tracks wie zum Beispiel "Inside Four Walls" fragen. Fang doch gleich mal damit an.

Da geht’s um einen engen Freund von uns den sie mit Drogen erwischt haben. In den Staaten ist die Rechtsprechung bezüglich Drogen ziemlich kaputt. Es gibt einen regelrechten Krieg gegen Drogen und absolut keine Toleranz. Ich denke aber, daß das Problem von der falschen Seite angegangen wird. Selbst wenn jemand zum ersten mal mit Drogen erwischt wird muß er manchmal länger sitzen als Gewalttäter und das ist echt nicht in Ordnung. Ich denke wenn überhaupt was gemacht wird sollte das Zeug teilweise legalisiert werden und das Geld das dabei hereinkommt benutzt werden, um Leuten zu helfen, die wirklich Hilfe brauchen, anstatt sie für lange Zeit ins Gefängnis zu werfen. Es ist im Prinzip die selbe Geschichte wie bei "Politics Of Ecstasy", nur daß wir damals nicht geahnt haben, daß wir persönlich davon betroffen sein könnten, wie wir es jetzt aber sind. Der Typ um den es sich dreht ist ein wirklich guter Freund und wir werden ihn jetzt wohl die nächsten zehn Jahre nicht zu Gesicht bekommen.

Da hab‘ ich wohl in ein Wespennest gestochen. Bevor jetzt aber das Fame Of Metal zensiert werden muß, schwenk‘ ich lieber zum nächsten Song um. Wie steht’s den mit "Insignificant"?

Das ist ein Song den Warrel und Jeff noch in den SANCTUARY Tagen geschrieben haben. Er wäre wohl auch ein SANCTUARY Song geworden, aber wir haben uns aufgelöst, bevor wir ihn aufnehmen konnten. Über die Jahre hat er sich natürlich immer mehr verändert und so klingt er eben heute. Bei den etwas philosophisch angehauchten Songs wie diesem möchte Warrel nicht verraten worum es im Detail geht, damit der Hörer die Texte für sich selbst interpretieren kann.

So was in der Art hatte ich schon befürchtet. Dann brauch‘ ich nach "Evolution 169" wohl erst gar nicht fragen, oder?

Oh nein! Nicht der!

Doch!

Auch da will Warrel das Mysterium aufrecht erhalten. Selbst mir hat er nichts genaues anvertraut. Ich kann Dir aber verraten, daß es hat ein bißchen was mit der Chaos-Theorie zu tun hat. Warrel sagt immer es wäre ein verschollener Beatles Song.

Ich kann Dir aber immerhin erzählen, worum es bei "The River Dragon Has Come" geht.

Nur zu.

Es dreht sich alles um ein technisches Desaster das sich in der 30er Jahren in China ereignet hat. Da ist ein Staudamm zusammengebrochen und 85.000 Menschen sind ertrunken. Die Mönche Buddhas haben davor gewarnt, daß der technologische Fortschritt zu schnell kommt und Mutter Natur sich erheben und uns niederschmettern würde. Nach dem Unglück wurde ein Mönch häufig zitiert der gesagt haben soll "The River Dragon Has Come". Das ist zum Beispiel einer dieser weniger persönlichen Songs. Es ist eben eine Geschichte, die Warrel gehört hat und über die er einen Text verfassen wollte.

Natürlich muß ich Dich auch nach dem "Sound Of Silence"-Cover fragen. Wie seid Ihr darauf gekommen gerade diesen Song zu covern und warum ist er so abgedreht herausgekommen?

Es ist eben ein Song den Warrel schon immer mal covern wollte. Er ist ein großer Paul Simon Fan und ich denke, wenn Du ihre Texte vergleichst wirst Du viele Parallelen finden, was die düstere und depressive Atmosphäre betrifft. Wir haben bisher nie die Zeit gefunden das Cover zu machen bis gegen Ende der Aufnahmen Jeff mit dem Song ankam. Warrel dachte gleich, daß die Gesangslinie perfekt zu den Lyrics passen würde, also haben wir ein wenig herum experimentiert und das Ergebnis war so cool, daß wir uns entschlossen es einfach mit auf die Platte zu packen. In der Vergangenheit haben wir immer einen großen Bogen um Covers gemacht und versucht andere Bands nicht Note für Note nachzuspielen. Zum einen würden wir’s so wie so nicht besser als das Original hinkriegen und zum anderen wäre es ja auch Blödsinn genau wie eine andere Band klingen zu wollen. Wir haben also ohnehin den Ruf unsere Coverversionen zu verwüsten. Mit diesem sind wir aber vielleicht ein wenig zu weit gegangen. Vielleicht setzt Paul Simon ja ein paar Meuchelmörder auf uns an, wenn wir es jemals live spielen.

Laß uns mal über die neuen Songs im allgemeinen reden. Ich hatte das Gefühl, daß das neue Material catchier ist, weniger modern und auch nicht so technisch wie die Songs von "Politics...". Wie stehst Du dazu?

Wir haben so viel mit "Dreaming..." getourt, daß wir uns entschlossen haben, wenig Zeit zu verlieren. Wir wollte am Ende der Tour viele Songs schon geschrieben haben, danach noch ein paar schreiben und dann gleich mit der Vorproduktion beginnen, anstatt ewig an den Songs herumzufeilen und eine überproduzierte Platte zu machen. Wir wollten einfach eine Metalscheibe aufnehmen, die geradeaus abgeht. Ich denke, daß ist uns ganz gut gelungen, weil wir nicht zu viel Zeit für die Songs aufgewandt haben. Ich denke die Texte sind immer noch recht komplex, aber die Musik ist sicher catchier als zuvor. Wir sind einfach alles locker angegangen und das hat der Platte auch gut getan.

Ich finde, daß "Dead Heart..." und "Dreaming..." sich im großen und ganzen recht ähnlich sind. Würdest Du sagen, daß der größte Teil der Entwicklung von NEVERMORE jetzt abgeschlossen ist und ihr genau den Sound gefunden habt, den ihr auch in Zukunft machen wollt?

Auf jeden Fall. Die erste Scheibe war für uns eigentlich nur ein Demo. Auf "Politics..." haben wir dann wirklich versucht ein technisches Album zu machen, auf das die Musiker abfahren würden, gewissermaßen um es uns zu beweisen. Und "Dreaming..." war dann eine Sache für sich. Die neue Scheibe hat ein bißchen was von allem. Ich schätze mal, daß wir endlich eine Methode gefunden haben Songs zu schreiben, die zu uns paßt. Zumal wir jetzt ja nur noch zu viert sind. Im Studio hat es so auch super funktioniert. Alle waren auf die Arbeit konzentriert, jeder wußte was der andere wollte und so weiter. Deswegen werden wir wohl auch als Vierer weitermachen und uns zum touren einen Aushilfsgitarristen suchen.

Da muß ich doch gleich noch mal nachhaken. Daß Tim Calvert bei NEVERMORE raus ist, dürfte sich mittlerweile ja herumgesprochen haben. Aber warum hat Euch der gute Mann überhaupt verlassen?

Nach dieser ewigen Tourerei mit "Dreaming..." ist ihm wohl klar geworden, daß er so nur weitermachen kann, wenn er voll hinter allem steht und den größten Teil seines Privatlebens aufgibt. Er wollte aber mehr von seinem Privatleben haben. Und als es dann ans Schreiben neuer Songs ging und wir mit der Vorproduktion beginnen wollten war er einfach nicht da. Nach den Aufnahmen haben wir uns dann entschlossen, das nur wir vier – der Bandkern – NEVERMORE sind. Es hat den Anschein als würden wir jedes mal, wenn wir einen anderen Gitarristen hinzuziehen, ein wenig die Kontrolle verlieren. Zudem passen wir vier so gut zusammen, daß es zur Zeit auch keinen Sinn macht jemand anderen in die Band zu holen. Wir haben auch nie viel Glück mit anderen Gitarristen gehabt. Sogar Pat O’Brian, der mit uns für "Politics..." tourte, entschied sich nach der Tour sich wieder mehr dem Death Metal zu zu wenden. Deswegen werden wir jetzt erst mal vorsichtig sein und als Quartett weitermachen.

Wer hat den dann im Studio die zweite Gitarre eingespielt?

Jeff hat einfach alle Gitarren Parts selbst in die Hand genommen.

Wie wird’s dann auf Tour aussehen? Gibt’s da schon einen Namen?

Kurt (?-ohne Gewähr) Murphy ist ein Gitarrist aus Seattle und spielt in einer Band namens AGRESSION CORE. Als Pat damals ausstieg ist der schon mal eingesprungen. Wir sind wirklich froh, daß er sich wieder für uns Zeit nehmen konnte und so lange er kann und nicht mit seiner anderen Band beschäftigt ist, wird er auch dabei sein.

Läge es nicht nahe ihn als dauerhaftes Bandmitglied aufzunehmen, da er auch so immer wieder bei Euch aushilft?

Ich möchte nichts sagen, daß einen schlechten Einfluß auf seine Band haben könnte, aber wir würden ihn sicher nehmen, wenn er auf uns zukommt. Er paßt einfach großartig zu uns und ist außerdem eine absolutes Tier auf der Bühne.

Gibt’s denn schon feste Pläne für eine Tour?

Bis jetzt ist noch nichts bestätigt oder abgelehnt. Wir wollen erst mal warten, wie gut die neue Scheibe ankommt. Wir haben aber eine ganze Reihe guter Angebote vorliegen. Es gibt schon Pläne im Oktober und November mit FATES WARNING durch die Staaten zu touren und wenn wir das hinter uns gebracht haben wissen wir vielleicht mehr und können das eine oder andere Gerücht bestätigen (Etwa das mit Primal Fear?). Wir haben aber auf jeden Fall angepeilt Europa im Januar und Februar 2001 zu betouren.

Haben die phantastischen Reaktionen seitens der Presse einen Einfluß darauf, ob Ihr wieder als Headliner tourt oder Euch lieber eine gute Supportposition sichert?

Eigentlich nicht. Obwohl wir von den Pressereaktionen überwältigt waren werden wir erst mal abwarten wie sich die Platte verkauft. Wir hoffen mal das die Fans die Platte ebenso lieben wie die Presse. Wir werden zwar auf jeden Fall wieder als Headliner touren. Im Moment macht es aber am meisten Sinn eine größere Band zu supporten um ein größeres Publikum zu erreichen, und dann im Frühjahr als Headliner zurück zu kommen. Auf diese Weise hätte wir auch den Sommer frei um einige Festivals zu spielen.

Gibt es eine Band mit der Du gerne mal touren würdest? Sei es als Supporter oder Headliner?

(Wie aus der Pistole geschossen:) Ozzy Osbourne! Metallica; aber um realistisch zu bleiben eine Band in der Größenordnung von Judas Priest oder Blind Guardian, mit denen wir ja schon mal getourt haben, wäre großartig, aber das sind im Moment nur Wunschträume. Ich glaube, daß nach all dem Presserummel etwas gutes für uns passieren wird und wir eine anständige Tour fahren können. Wir werden’s ja erleben.

Jetzt muß ich Dich aber mal über die vergangenen Touren ausquetschen. Ihr wart seit dem Release der letzten Scheibe ja fast pausenlos auf Tour. Habt Ihr Schwierigkeiten gehabt Euch danach wieder zusammen zu setzten und neue Songs zu schreiben oder waren die zahllosen Auftritte eher inspirierend für Euch?

Es hat uns auf alle Fälle geholfen. Wir haben den Schwung der Tour gleich ausgenutzt um so schnell wie möglich die neue Platte aufzunehmen, damit wir möglichst bald wieder touren können. Wir werden in Rekordzeit wieder unterwegs sein und genau das haben wir auch angestrebt. Unter Druck zu stehen kann schließlich die beste Inspirationsquelle überhaupt sein.

Außerdem haben wir auf Tour auch schon viel neues Material geschrieben. Als wir mit ARCH ENEMY durch die Staaten getourt sind haben wir einen kleinen Acht-Spur-Recorder mitgenommen und haben im Tourbus an unseren Ideen gefeilt.

Bei so viel Tourerei hast Du bestimmt `ne Menge Anekdoten am Start.

Klar! Gute und Schlechte. Eine der schönsten Erinnerungen habe ich an die Tour mit Lefay. Die Typen zu treffen ist wie wenn zwei Partys zusammenstoßen. Eine der schlimmsten Erinnerungen überhaupt habe ich an die Tour mit ARCH ENEMY. Da hab‘ ich mir den Zeigefinger in der Bustür eingeklemmt und ihn fast von meiner Hand abgetrennt.

Wie hast Du denn da noch Bass spielen können?

Ich hab‘ den Finger völlig in Tape eingepackt um mich daran zu hindern ihn zu benutzen und die Leads mit dem Mittelfinger gespielt. Eines Abends ging das Tape ab und ich hatte dauernd Angst versehentlich mit dem schmerzendem Finger zu spielen. Und natürlich war genau an diesem Abend ein Photograf da, der die Szene auch wunderbar eingefangen hat: ein riesiger, roter, geschwollener Finger, mit 18 Stichen angenäht, vor meinem Gesicht und ich den Tränen nahe. Das ist so eine Erinnerung die ich lieber vergessen würde, vor allem aber nicht noch mal erleben will. Es tut schon weh nur daran zu denken.

Dann reden wir nicht mehr darüber. Ich hab‘ hier noch ein paar Fragen quer durch den Gemüsegarten, die meine Hörer eingeschickt haben.

Nummer eins: Wo kommt der Name NEVERMORE eigentlich her?

Der ist Warrel eingefallen als er sich einen Song von TROUBLE angehört hat. Er kam einfach so aus ihm raus und schien gut zu unserer Situation zu passen, als wir versuchten eine neue Band zusammen zu stellen und die Fehler Vergangenheit nie zu wiederholen, sondern in die Zukunft zu blicken. NEVERMORE erschien uns einfach passend.

Es hat also nichts mit dem Edgar Allen Poe Zitat:"Quoth the raven: Nevermore!" zu tun?

Nee. Auch wenn "Politics..." vielleicht dieses Gerücht gestärkt hat. Das war’s nicht!

Nummer zwei: Welche "jungen" Bands magst Du? Wessen CDs stellst Du Dir in den Schrank und was für Konzerte ziehst Du Dir rein?

Gute Frage. Ich habe eigentlich kaum Zeit auf Konzerte zu gehen, wenn ich in Seattle bin. Und da ich sowieso die ganze Zeit vom Metal umringt bin, ziehe ich es vor Zuhause keinen Metal aufzulegen. Meistens kann ich's dann aber doch nicht lassen. Kürzlich hab‘ ich in Seattle aber IN FLAMES gesehen und die haben mich echt beeindruckt. Ich hab‘ sie zuvor noch nie live gesehen und ich mag ihre Mucke sowieso. Und was mich auch völlig umgehauen hat war die neue HALFORD. Ich hab‘ noch nicht die Zeit gehabt sie völlig auf mich wirken zu lassen und sie zu einer meiner Lieblingsplatten zu machen, aber es ist auf jeden Fall eine brillante Scheibe. Mit "Chemical Wedding" von Bruce Dickinson ist’s mir übrigens genau so gegangen. Ich kam gerade von der Tour zurück und das letzte was ich hören wollte war Metal. Dann hab‘ ich aber die CD bekommen und sie nicht mehr aus meinem CD-Player rausgekriegt.

Wie sieht’s den mit dem Rest der Band aus?

Ich weiß das Warrel etwa gleich drauf ist wie ich. Wir leben zusammen und wenn ich was auflege hört er sich’s an und andersherum. Ich bin mir bei den anderen Jungs echt nicht sicher. Wenn wir von einer Tour zurückkommen, gehen wir uns immer eine Weile lang aus dem Weg. Ich weiß aber das Jeff auf progressiveres Zeug wie PSYCHOTIC WALTZ und WATCHTOWER steht. Was neuere Geschichten betrifft geht’s ihm wohl wie mir. Er versucht nicht zu viel davon mitzukriegen um sich nicht davon beeinflussen zu lassen.

Ihr werdet von neueren Bands also nicht mehr beeinflußt?

Nein. Ich denke daß man am Anfang seiner Musiklaufbahn am stärksten beeinflußt und in eine bestimmte Richtung gelenkt wird, aber später muß man seine Einflüsse aus anderen Lebensbereichen ziehen. Nur so kriegt man seinen eigenen Stil hin. Bei uns gibt’s alles von BAUHAUS bis TEA PARTY. Vielleicht spielt das unterschwellig noch eine Rolle, aber sicher keine große. Ich habe aber fest gestellt, daß wir, wenn wir lange mit einer Band touren, und danach Songs schreiben, ein wenig nach dieser Band klingen. Das spielt sich wohl alles im Unterbewußtsein ab. So gesehen kommen unsere meisten Einflüsse zur Zeit vom Touren.

Okay, mach Dich auf was gefaßt. Diese Frage ist fies. Was kannst Du mir über eine Band namens SERPENTS KNIGHT erzählen?

Hahaha!!! Ich glaube Warrel schämt sich ziemlich für diesen Abschnitt seines Lebens. Ich fand es aber immer ziemlich heftig. Es war für mich eine der ersten Black Metal Bands. Sie hatten dieses Make-up und Bühnenaufbauten im Gothic-Stil, schwarze Klamotten, umgedrehte Kreuze, und so weiter. Ich denke er sollte stolz darauf sein, aber er schämt sich wohl dafür. Ich hab‘ sie damals mal gesehen. Sie hatten eine Kettensäge und einen Schweinskopf auf der Bühne und alles war mit Blut vollgesaut, der Schweinskopf flog durch den Club,...Es war echt abgefahren.

(Angeblich hat Warrel zu SERPENTS KNIGHT Zeiten noch deutlich höher gesungen als auf der ersten SANCTUARY.-d.Verf.)

Bevor ich mit den letzten beiden Fragen ankomme muß ich kurz nachhacken: Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie sehr haßt Du es mittlerweile Fragen nach SANCTUARY zu beantworten?

Das kommt ganz drauf an. Es ist ein großer Teil meiner Vergangenheit und Warrel und ich sind uns dessen auch bewußt. Manchmal nervt es zum 1000sten mal die selbe Frage zu beantworten, aber es ist ja gewissermaßen unser Job der Presse die Fragen zu beantworten. Wenn also jemand die Antwort auf die eine oder andere Frage noch nicht kennt, äußere ich mich eben noch mal; obwohl's mit unter schon anstrengend sein kann. Aber wie gesagt: Ich plaudere gerne.

Dann wollen wir mal: Dieser Hörer will wissen wie Du heute zu den beiden SANCTUARY Alben stehst, ob Du stolz auf sie bist und stolz darauf, daß sie beide heute echte Klassiker sind.

Natürlich bin ich stolz! Sehr stolz sogar und ich bin stolz diese Songs live spielen zu können. Ich bin sehr überrascht, daß die Platten solche Klassiker geworden sind. Leider ist es hier in den Staaten nicht ganz so wie bei Euch. Es gibt zwar eine kleine Anhängerschaft, aber das war’s dann auch. Leider sehen das die alten SANCTUARY Mitglieder nicht so. Wir haben mal über eine Reunion gesprochen, aber das wäre jetzt wohl nicht der richtige Zeitpunkt. Unser alter Gitarrist redet immer nur davon wie viel Geld wir verdienen könnten, wenn wir es machen und ich denke daß ist der falsche Grund für eine Reunion. Außerdem mag ich persönlich das NEVERMORE Material sowieso lieber. Warrel und ich sind auch der Meinung, daß NEVERMORE die Fortsetzung von SANCTUARY ist und mit einem kleinen bißchen "open-mindedness" kann man auch viele Parallelen heraushören. Aber da soll jeder seine eigene Meinung dazu haben.

Das war’s dann von meiner Seite. Wenn Du noch was loswerden willst...?

Wißt Ihr: NEVERMORE kommt es vor allem auf die NEVERMORE-Fans an. Und auf ein paar SANCTUARY-Fans – okay. Auf jeden Fall verspreche ich Euch ausgedehnte Touren und daß wir weiterhin gutes Material veröffentlichen werden.

Das will ich doch schwer hoffen. Dann sag‘ ich mal Danke für das Interview. C-ya on tour!

Interview: Ralf (Radio Metalmania)