Band: Paradox
Interviewtitel: Die Rückkehr einer Legende
Überall in Europa ist über Paradox zu lesen, fehlen nur noch die bunten Bilder in der Kellogspackung. Bist Du eher überrascht oder verwundert?
Wenn es wegen den alten Paradox Sachen so gut läuft, kann ich es nachvollziehen, da wir schon damals immer gute Presseberichte hatten und in aller Munde waren. Die beiden ersten LPs waren schon damals gut, man kann sie sich heute noch anhören und entdeckt immer wieder was neues. Das ist der traditionelle Stil, den ich am liebsten spiele.
Für dich ist die neue CD also eine verspätete Nachfolge von Heresy?
Genau so würde ich das auch sehen. Das Lineup ist anders, die Musiker sind professioneller. Wenn ich die Reviews zu Grunde lege, liegt die Begeisterung einzig und alleine daran, daß denen, die die CD bis dato gehört haben, die Musik gefällt.
Was war denn für dich der ausschlaggebende Faktor, Paradox wiederzubeleben?
Das fing damit an, das mich der Andi Preisig von Iron Glory anrief, der einen Sampler mit Bands aus den80-igern zusammenstellen wollte. Ich habe ihm dann Overshadowed zugeschickt, die Begeisterung war sehr groß und er wollte gleich mehr machen. Dann war ich beim Bang your Head Festival 1998, wo ich Andy Syri, den Alex und Olli getroffen habe und sämtliche Kontakte knüpfte. Der A.S. hat uns dann den Auftritt in Wacken besorgt und ruck zuck, so schnell bist Du wieder drin. Nach diversen anderen Angeboten sind wir letztendlich bei AFM gelandet.
Ich vermute mal, das Du die Titel für Collision Course schon fix und fertig in der Schublade hattest?
Nein, so war das nicht. Bei einigen Titeln trifft das zu, Overshadowed, Collision Course und Shattering the illusions. Sämtliche Songs mußte ich komplett durchkomponieren, Rhythmen und Strophenteile, Mittelteile, die sich zum Schluß dann wieder ganz anders angehört haben. Da war kein Vergleich mit der Urversion möglich.
Was war für dich bei der Zusammenstellung des neuen Lineups wichtig?
Das die Musik die in meinem Kopf entsteht, so gut wie möglich umgesetzt wird. Je besser der Musiker, desto besser kommt das Teil rüber. Dann wollte ich Musiker in der Band haben, die diese Musik auch hören. Olli und Alex haben mit Sieges Even sicherlich komplett andere Musik gespielt,beide kommen aber aus der Forbidden/Exodus Ecke.
Ich bin an C.C. mit einer gewissen Ehrfurcht rangegangen, da sich einerseits seit Heresy der Metal positiv wie negativ entwickelt hat und andererseits hast du mit den beiden Holzwarths 2 Mitmusiker an Bord, die dafür Sorge getragen haben, das auf der CD doch der eine oder andere verzwickte Teil auszumachen ist, trotzdem kann gesagt werden, das ist Paradox. Angemerkt sei noch, das Du den Spagat zwischen der Steinzeit und Neuzeit gut gemeistert hast.
Es war von Anfang an klar, das Paradox straight spielen.
Was mich mittlerweile fürchterlich aufregt, ist der ewige Metallica Vergleich. Entweder haben sich einige C.C. nicht vernünftig angehört oder etwas falsch verstanden. C.C. ist ein sehr frisches, lebendig eingespieltes Album mit schönen progressiven Passagen, trotzdem ist der Spirit vergangener Tage vorhanden.
Freut mich, das Kompliment. Ich bin von der Zeit inspiriert und werde das immer in meinen Songs umsetzen. Ich bin zwar hier geboren, käme aber lieber aus der Bay Area. Das ist mein Stil und den werde ich auch 100%-ig beibehalten.
Was auch positiv zu bewerten ist, ist die Tatsache, daß Du nicht links oder rechts geschaut hast, sondern gesagt hast, ich ziehe mein Ding durch und das müßt ihr akzeptieren. Ist das so richtig?
Genau, das Klima war so gut, jeder stand hinter den Songs. Es gab keine großen Schwierigkeiten im Studio, alles hat gepaßt und die Freude, die wir dabei hatten, hörst Du auf der CD. Wenn Du so ein Album eingespielst, ist die Motivation besonders groß, da ist Druck hinter. Wo Paradox drauf steht, ist auch Paradox drin. Das Teil besteht aus melodiösem schnell gespieltem Heavy Metal mit Stakkatoriffing und so weiter und sofort. So ist der Stil und so wird er auch bleiben.
Wenn man sich die momentane europäische Metalszene betrachtet, stehen Paradox mit C.C. ziemlich alleine auf weiter Flur. Das ist schon was außergewöhnliches, daß es in letzter Zeit so nicht zu hören gab.
Genau, Du triffst es auf den Punkt. Das ist das, was ich die ganze Zeit sage, Paradox ist eine Band, die in Europa einzigartig klingt, da gibt es keine zweite Band, die das schafft. Deswegen könnte es sein, daß sich einige inspiriert fühlen, den Stil mal wieder aufleben zu lassen. Dieser Stil hat ja Metallica und andere Bands aus der Bay Area bekannt gemacht. Warum soll das keiner mehr spielen? Wir fahren eine andere Schiene und die klingt amerikanisch.
Ganz vorsichtig spekuliert, wie groß sind die Hoffnungen, daß Paradox nach einer weiteren CD nicht wieder abtauchen?
So locker wie das momentan abläuft, ich mach mir null Stress, habe keine große Erwartungen, wem‘s gefällt, der soll’s sich anhören. Ich freue mich über jede positive Reaktion und solange es Spaß macht, werden wir auch weitermachen. Im Moment habe ich keine Lust daran zu denken, daß da was passieren könnte. Man soll niemals nie sagen, aber momentan läuft es so bombastisch, daß ich mir nicht vorstellen kann, nach einer CD wieder aufzuhören.
Zum Schluß möchte ich gerne deine 5 all time Faves, die 5 besten CDs die Du in letzter Zeit gekauft hast und die 5 Bands wissen, denen Du den definitiven Tritt in den Arsch verpassen möchtest.
Zu1:Fates Warning-Spectre within
Forbidden-Twisted into form
Flotsam and Jetsam-Doomsday for the deceiver
Metal Church-die erste
Metallica-Ride the lightning
Zu2:Armored Saint-Revelation
Fates Warning-Disconnected
Steel Prophet-Genesis
Dream Theater-(welche hat Charlie nicht gesagt – Anm. d. Verf.)
Pantera-Reinventing the steel
Zu3:Was ich scheiße finde ist, daßs es Forbidden nicht mehr gibt, da müssen einige gewaltig getreten werden, damit die Band wiederaufersteht. Heathen, das gleiche, das Exodus sich aufgelöst haben, ist der absolute Wahnsinn. Ein Arschtritt für Metal Church, was die mit der letzten Platte abgeliefert haben, wenn das der Nachfolger der ersten beiden LPs sein soll, dann ist das schon sehr traurig.
Rede und Antwort stand Charlie Steinhauer.
Interview: Peter
Foto: Plattenfirma